Robert Walsers Biel - Ein literarisches Weg- und Wandernetz

In der Innenstadt von Biel und der näheren Umgebung verbinden sich neun Stationen aus Robert Walsers Leben zu einem literarischen Spaziergang und erzählen autobiografisch seine Geschichte. Rund um den Bielersee folgen fünf literarische Wanderungen in den Landschaften und Orten aus Robert Walsers Prosa und erzählen einzelne Textpassagen.

Robert Walser
Robert Walser
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Robert Walser Gedenkjahr 2006
Zum 50. Todestag des Schriftstellers Robert Walser erweist die Stadt Biel ihrem berühmten Einwohner mit einer besonderen Aktion die Referenz: 89 Jahre, nachdem Walser in seinem Prosastück "Spaziergang" die Eindrücke von einer beschaulichen Wanderung durch unsere Stadt mit unvergleichlicher Sprachkunst verewigt hat, lädt die Stadt Biel ihre Bevölkerung sowie Besucherinnen und Besucher ein, auf seinen Spuren zu wandeln und erstellt ein literarisches Weg- und Wandernetz.

Robert Walsers Leben und Werk
Robert Walser (1878-1956) gehört zu den rätselhaftesten Schriftstellern seiner Zeit. Geboren in Biel, absolvierte er nach der Schulzeit zunächst eine Banklehre. In den Jahren 1896 bis 1905 lebte er überwiegend in Zürich, arbeitete dort als Commis in Banken und Versicherungen, aber auch als Diener, Buchhändler und "Gehülfe". Seine ersten Gedichte, die 1898 erschienen, liessen ihn rasch zu einem Geheimtip werden und verschafften ihm den Zugang zu literarischen Kreisen.

Nach Erscheinen seines ersten, in Zürich entstandenen Buches «Fritz Kochers Aufsätze», folgte er 1905 seinem Bruder Karl nach Berlin, der dort als Maler und Bühnenbildner den Durchbruch erzielt hatte. In rascher Folge publizierte Walser nun seine drei Romane «Geschwister Tanner» (1907), «Der Gehülfe» (1908) und «Jakob von Gunten» (1909). Trotz eines bescheidenen Achtungserfolgs bei der Kritik konnte sich Walser im literarischen Leben der deutschen Hauptstadt jedoch schliesslich nicht durchsetzen.

Im Gefühl, gescheitert zu sein, kehrte Walser 1913 in seine Heimatstadt Biel zurück. Im Dienstbotentrakt des Hotels «Blaues Kreuz» mietete er sich eine Dachkammer und schuf dort unter äusserst ärmlichen Bedingungen eine grosse Zahl von Kurzprosatexten, die zum Teil auch in Buchform erschienen («Kleine Prosa», 1917, «Poetenleben», 1918, «Seeland», 1920). Als Hauptwerk dieser Zeit gilt die umfangreiche Erzählung «Der Spaziergang», 1918. Der im gleichen Jahr entstandene Roman «Tobold» blieb ungedruckt und ist heute ebenso verschollen wie ein weiterer mit dem Titel «Theodor» aus dem Jahr 1921.

Ab Anfang der 20er Jahre in Bern lebend, führte Walser seine nomadische Mansardenexistenz fort. Obwohl er vielfach in literarischen Zeitschriften und Feuilletons bedeutender Tageszeitungen präsent war, konnte er nur noch eine Buchpublikation realisieren («Die Rose», 1925). Zahlreiche Texte, darunter ein Roman (sog. «Räuber»-Roman, 1925), haben sich nur im mikrographischen Entwurf erhalten.

Infolge einer psychischen Krise geriet Walser Anfang 1929 gegen seinen Willen in die Psychiatrie, deren Rahmen er nie mehr verlassen konnte. 1933 von der Berner Klinik Waldau nach Herisau verlegt, gab er das Schreiben vollständig auf und lebte dort noch 24 Jahre als vergessener anonymer Patient. Er starb am Weihnachtstag 1956 auf einem einsamen Spaziergang im Schnee.

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